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Kynologie & Nasenarbeit

Mantrailing

Die hochspezialisierte Suche nach dem menschlichen Individualgeruch.

Der Begriff Mantrailing setzt sich aus den englischen Wörtern man (Mensch) und trail (Spur verfolgen) zusammen. Es bezeichnet die Suche nach einer bestimmten, vermissten Person unter Einsatz eines speziell ausgebildeten Hundes (dem Personenspürhund oder Mantrailer). Im Gegensatz zur klassischen Fährtenarbeit verlässt sich der Mantrailer nicht primär auf Bodenverletzungen, sondern sucht gezielt nach dem einzigartigen olfaktorischen Fingerabdruck eines Menschen.

"Ein Mantrailer folgt nicht dem Weg, den eine Person gegangen ist, sondern dem Weg, den ihr Geruch genommen hat."

Die 3 goldenen Regeln des Mantrailings

  1. Vertraue deinem Hund! (Trust your dog) - Der Mensch hat keine Chance, den Weg des Geruchs rational zu erahnen.
  2. Der Hund führt, der Mensch sichert. - Du bist am anderen Ende der Leine primär das "Sicherheitsnetz" für den Straßenverkehr.
  3. Lies die Körpersprache. - Die Antwort auf fast jedes Problem beim Trailen steht in der Rute, der Körperanspannung und der Nase deines Hundes geschrieben.

1. Was ist Mantrailing?

Jeder Mensch verliert pro Minute etwa 40.000 Hautschuppen. Zusammen mit Schweiß, Hormonen, Bakterien und Kosmetika bilden diese Schuppen einen Geruchscocktail, der für jedes Individuum so einzigartig ist wie ein Fingerabdruck. Da diese feinen Partikel extrem leicht sind, werden sie vom Wind verweht, verwirbelt und lagern sich an Gebäuden, in der Vegetation oder auf dem Asphalt ab.

Der Hund bekommt am Beginn der Suche einen Geruchsträger (den sogenannten Scent Article) präsentiert. Das kann ein getragenes T-Shirt, ein Autoschlüssel oder sogar der Türgriff eines Fahrzeugs sein. Ab diesem Moment ignoriert der ausgebildete Mantrailer alle anderen menschlichen Gerüche in der Umgebung und filtert gezielt die Spur dieser einen Person heraus – selbst durch belebte Fußgängerzonen, über Bahnhöfe oder durch dichte Wälder.

Exkurs: Das Wunderwerk Hundenase

Hunde sind sogenannte Makrosmaten (Nasentiere). Während der Mensch nur über etwa 5 Millionen Riechzellen verfügt, besitzt ein typischer Mantrailer (wie der Bloodhound) bis zu 300 Millionen Riechzellen. Ein Großteil des Hundegehirns ist ausschließlich für die Verarbeitung von Gerüchen zuständig – ihr olfaktorisches Zentrum ist proportional etwa 40-mal größer als das des Menschen.

Anatomisches Schaubild einer Hundenase mit Luftströmen
Beim Schnüffeln wird die Atemluft getrennt: Ein Teil dient der Atmung, ein anderer strömt direkt ins Riechzentrum (olfaktorisches Epithel).

Das wahre Geheimnis liegt jedoch in der Anatomie und der Atemtechnik: Wenn ein Hund schnüffelt, wird die eingeatmete Luft in zwei Ströme geteilt. Ein Teil geht in die Lungen zum reinen Atmen. Der andere, viel wichtigere Teil, wird in ein spezielles Labyrinth aus feinen Knochenlamellen ganz hinten in der Nasenhöhle geleitet. Dort lagern sich die Geruchspartikel an. Beim Ausatmen strömt die Luft dann durch die seitlichen Schlitze der Nase wieder nach außen. Dadurch entsteht ein winziger Tornado (Luftwirbel), der kontinuierlich neue Geruchspartikel vom Boden ansaugt, ohne dass der Hund seinen eigenen Such-Geruch wieder wegpustet.

Zusätzlich besitzen Hunde im Gaumen das Jacobson-Organ (Vomeronasales Organ), mit dem sie Hormone und Pheromone quasi schmecken und analysieren können. Ein Hund riecht die Welt nicht nur, er liest sie wie ein offenes Buch.

2. Die Geschichte des Mantrailings

Die Wurzeln der gezielten Menschensuche reichen Jahrhunderte zurück. Schon früh erkannten die Menschen die überlegene Nasenleistung bestimmter Hunderassen, insbesondere der Bloodhounds (Bluthunde), die durch Zucht auf eine extrem feine Nase und enorme Ausdauer bei der Spurenverfolgung spezialisiert wurden.

Von den historischen Anfängen zum modernen Einsatz

Historisch belegt ist der Einsatz von Suchhunden bereits im 16. Jahrhundert im Grenzgebiet zwischen England und Schottland (den sogenannten Slough DogsEin historischer Begriff für frühe Fährtenhunde (Vorfahren der Bloodhounds), abgeleitet vom schottischen Wort "Sleuth" für "Spur".), um Diebe und Plünderer aufzuspüren. In den USA erlangte die Nutzung von Bloodhounds im 18. und 19. Jahrhundert traurige Berühmtheit, als sie eingesetzt wurden, um entflohene Sklaven zu jagen. Später wandelte sich das Bild und die Hunde wurden primär zur Suche nach entflohenen Sträflingen (Fugitives) oder vermissten Kindern eingesetzt.

Der Deutsche Schäferhund und die frühen Polizeihunde (um 1900)

Historischer Schäferhund um 1904 im Stil eines alten Polizeihundes Symbolbild: Ein Diensthund um 1904

Während in den USA der Bloodhound florierte, begann in Deutschland um 1900 eine ganz eigene Entwicklung. Max von Stephanitz, der 1899 den Verein für Deutsche Schäferhunde gründete, war ein massiver Verfechter des Schäferhundes als vielseitigen Diensthund. In seiner Abhandlung "Der Hund im Dienste der Polizei" forderte er den Einsatz von Hunden für die Kriminalspur. Ein historischer Meilenstein ereignete sich 1904 in Braunschweig: Der Diensthund "Harras" spürte nach einem Verbrechen den Täter auf und stellte ihn. Dieser Fall war eine Sensation in der Presse und markierte den Startschuss für das organisierte Polizeihundewesen in Deutschland – auch wenn die Methodik damals noch nicht dem modernen, rein geruchsspezifischen Mantrailing entsprach, sondern eher der klassischen Fährtenarbeit.

In Europa und speziell im deutschsprachigen Raum hielt das moderne Mantrailing (die Suche nach reinem Individualgeruch ohne Bodenverletzungen) erst viel später Einzug. Lange Zeit vertraute die Polizei hierzulande fast ausschließlich auf Flächensuchhunde und die klassische Fährte. Erst Anfang der 2000er Jahre, maßgeblich beeinflusst durch Ausbilder aus den USA, begann sich das Mantrailing bei den europäischen Rettungshundestaffeln und Polizeibehörden als hochwirksame Methode bei der Suche nach Vermissten zu etablieren.

3. Ablauf einer Suche (Trail)

Ein typischer Trail läuft in einer hochkonzentrierten Teamarbeit zwischen Hund und Hundeführer (dem sogenannten HandlingDie Kunst, den Hund über die Schleppleine zu "lesen" und zu führen, ihn bei Problemen zu unterstützen, ohne ihn jemals in seiner Arbeit zu stören.) ab. Der Hund trägt ein spezielles Brustgeschirr (Suchgeschirr), an dem eine etwa 5 bis 10 Meter lange Schleppleine befestigt ist.

  • Der Geruchsabgleich (Scenting): Dem Hund wird der Geruchsträger am Ansatzpunkt (dem Punkt, an dem die gesuchte Person zuletzt sicher gesehen wurde) präsentiert. Oft wird der Gegenstand in einer sterilen Tüte aufbewahrt, in die der Hund kurz seine Nase steckt.
  • Das Suchkommando: Mit einem spezifischen Startkommando (z.B. "Trail" oder "Such") beginnt die Arbeit. Der Hund zeigt durch seine Körpersprache (veränderte Rutenhaltung, tiefe Nase, erhöhtes Zugverhalten auf der Leine) an, ob er die Spur aufgenommen hat.
  • Das Lesen des Hundes: Die eigentliche Kunst des Hundeführers besteht nicht darin, den Hund zu lenken, sondern ihn zu lesen. Der Hundeführer muss erkennen, wann der Hund die Spur hat, wann er sie verloren hat (Negative Indikation) und wann er durch Windverwirbelungen einen "Pool" von Geruch absucht. Er muss dem Hund den nötigen Freiraum lassen, ihn durch die Leinenführung absichern, aber niemals in seiner Entscheidung beeinflussen.
  • Das Anzeigen (Ankunft): Hat der Hund die Zielperson gefunden, zeigt er dies durch ein trainiertes Verhalten an (z.B. Vorsitzen oder Verbellen) und wird überschwänglich belohnt, meist mit einer besonderen Futtertube oder einem favorisierten Spielzeug (dem Jackpot).

4. Für welche Hunde ist Mantrailing geeignet?

Grundsätzlich ist jeder Hund in der Lage zu trailen. Da die Nasenarbeit eine natürliche Auslastung für den Caniden darstellt, ist sie extrem befriedigend und artgerecht. Selbst sehr kleine Rassen, kurznasige Rassen (Möpse, Bulldoggen – mit gewissen Einschränkungen der Ausdauer) oder Hunde mit körperlichen Behinderungen (z.B. Blindheit) können im Hobbybereich hervorragend trailen.

Für den professionellen Einsatz bei Polizei oder Rettungshundestaffeln werden jedoch meist mittelgroße, ausdauernde, wesensfeste und hochmotivierte Hunde bevorzugt. Beliebte Rassen sind hierbei Bloodhounds, Schweißhunde (wie der Hannoversche Schweißhund), Magyar Vizsla, Labradore oder Malinois.

Warum Laufhunde die unangefochtenen Spezialisten sind

Während Hüte- oder Wachhunde sich auf der Suche oft durch optische Reize ablenken lassen, wurden Laufhunde (wie Bloodhounds, Schweißhunde oder Bracken) über Jahrhunderte für das selbstständige, ausdauernde Verfolgen einer Spur gezüchtet (der absolute Will to TrackDer unbedingte, angeborene Wille eines Jagdhundes, einer Fährte (Spur) bis zum Ziel zu folgen.). Sie bringen dafür sogar einzigartige anatomische Werkzeuge mit:

  • Die Ohren als "Besen": Die extrem langen, hängenden Ohren fallen beim Schnüffeln nach vorne und wirken wie ein Trichter, der die aufsteigenden Geruchspartikel vom Boden direkt in Richtung der Hundenase fegt.
  • Falten als Geruchsfänger: Die lose Haut und die vielen Falten rund um das Gesicht bündeln den feinen Geruchscocktail schützend rund um die Nase des Hundes.
  • Hohe Frustrationstoleranz: Laufhunde geben nicht auf, wenn eine Spur extrem alt ist oder durch Wind verweht wurde. Sie sind genetisch darauf programmiert, Probleme auf dem Trail völlig selbstständig zu lösen (z.B. durch CastingDas systematische, kreisförmige Suchen des Hundes, um eine abgerissene oder verwehte Geruchsspur wiederzufinden.), ohne den Menschen um Hilfe zu bitten.

Die Ausbildung erfordert enorm viel Zeit, Geduld und das exakte schrittweise Steigern von Schwierigkeiten (Alter der Spur, Kontamination durch Fremdgerüche, Untergrundwechsel). Während man im Hobbybereich schnell erste Erfolge sieht, dauert die Ausbildung eines einsatzfähigen Rettungshundes in der Regel 2 bis 3 Jahre.


5. Praxisbeispiel: Dr. Marlene Zähner und die "Congohounds"

Ein besonders faszinierendes und international beachtetes Beispiel für den ernsthaften Einsatz von Mantrailing ist die Arbeit der Schweizer Tierärztin und Mantrailing-Expertin Dr. Marlene Zähner im afrikanischen Kongo.

Einsatz gegen Wilderer im Virunga-Nationalpark

Im Jahr 2011 reiste Dr. Zähner auf Einladung von Emmanuel de Merode, dem Direktor des berühmten Virunga-Nationalparks in der Demokratischen Republik Kongo, in das Krisengebiet. Ihr Ziel: Eine hochspezialisierte Hundestaffel aufzubauen, um die massiv bedrohten Berggorillas und andere Wildtiere vor skrupellosen Wilderern zu schützen.

Sie gründete das Projekt "Congohounds" (unterstützt durch ihre Stiftung DodoBahati). Das Kernstück dieser Einheit bilden Bloodhounds. Wenn Park-Ranger ein totes Tier oder Spuren von Wilderern finden, nehmen die Bloodhounds an diesem Punkt den Individualgeruch auf (Mantrailing) und verfolgen die Täter durch den dichten Dschungel. Dies hat sich als eine der effektivsten Methoden erwiesen, um Wilderer aufzuspüren, festzunehmen und präventiv abzuschrecken.

Herausforderungen und Erfolge

Die Arbeit im Ost-Kongo gilt als extrem gefährlich. Politische Instabilität, bewaffnete Milizen und fehlende Infrastruktur machen das Training und den Einsatz zu einem enormen Risiko. Dr. Zähner reist unermüdlich in den Kongo, um nicht nur die Hunde, sondern vor allem die einheimischen Ranger zu trainieren, die anfangs oft große Berührungsängste mit Hunden hatten.

Medienberichte und Dokumentationen

Die unermüdliche und mutige Arbeit von Dr. Marlene Zähner hat weltweit für großes mediales Aufsehen gesorgt. Zu den bekanntesten Berichterstattungen gehören:

  • "Die Frau mit den Bluthunden" (Dokumentarfilm): Ein viel beachteter Film der Schweizer Regisseurin Verena Endtner, der Dr. Zähner hautnah bei ihrer gefährlichen Arbeit im Kongo begleitet.
  • Fernsehreportagen: Detaillierte Beiträge liefen unter anderem im Schweizer Fernsehen (SRF DOK, SRF bi de Lüt), im ZDF Mittagsmagazin, bei 3SAT, RTL sowie international beim renommierten australischen Format 60 Minutes.
  • Radio & Print: Verschiedene Podcasts (z.B. Deutschlandfunk Kultur) und Zeitungsartikel berichteten ausführlich über den Aufbau der DodoBahati-Stiftung und die Rettung der Gorillas durch die Bloodhound-Staffel.

6. Historisches Praxisbeispiel: Der legendäre Bloodhound "Nick Carter"

Historischer Bloodhound Nick Carter Legende: Der berühmte Bloodhound "Nick Carter" (ca. 1900)

Ein Name darf bei den unfassbaren Leistungen von Personenspürhunden nicht fehlen: Nick Carter. Der in Kentucky (USA) geborene Bloodhound (1899) gilt bis heute als einer der berühmtesten Mantrailer der Kriminalgeschichte.

Eine Rekordkarriere im frühen 20. Jahrhundert

Anfang der 1900er Jahre wurde Nick Carter von seinem Hundeführer Captain G.V. Mullikin bei der Jagd nach flüchtigen Verbrechern und Vermissten eingesetzt. Seine Erfolgsbilanz ist legendär: Insgesamt werden ihm mehr als 650 erfolgreiche Funde zugeschrieben. Allein im Jahr 1903 führte seine Nasenarbeit zur Überführung und Verurteilung von 126 Kriminellen.

Meister der kalten Spuren (Cold Trails)

Was Nick Carter so außergewöhnlich machte, war seine Fähigkeit, extrem alte (kalte) Spuren zu lesen, bei denen andere Hunde längst aufgegeben hätten. Einer seiner berühmtesten Einsätze fand 1909 statt: Nach einem Brand auf einer Farm wurde Nick Carter an den Tatort gerufen. Die Brandstiftung lag zu diesem Zeitpunkt bereits über 104 Stunden (mehr als 4 Tage) zurück. Trotz der massiven Zerstörung, der langen Zeitspanne und der Witterung nahm der Bloodhound die Spur auf und führte die Ermittler zielsicher zu einem nahegelegenen Bauernhaus, wo der Täter gefasst wurde.

In einem anderen dokumentierten Fall folgte er einer Spur über unfassbare 88 Kilometer (55 Meilen) hinweg, und es gibt Aufzeichnungen, in denen er einen Geruchsartikel (Scent) identifizierte, dessen Spur 12 Tage alt war. Nick Carters historische Leistungen setzten den Maßstab für das, was in der professionellen Mantrailing-Arbeit biologisch möglich ist.


7. Mythos vs. Wahrheit

Über das Mantrailing kursieren viele Halbwahrheiten. Wir klären auf:

Mythos: Hunde können die Spur im geschlossenen fahrenden Auto riechen.

Wahrheit: Nein. Geruchspartikel (Hautschuppen) sind physische Materie. Wenn eine Person mit geschlossenen Fenstern in einem Auto wegfährt, fallen diese Partikel in den Fußraum des Autos, aber nicht auf die Straße. Ein Hund kann das Auto nur verfolgen, wenn die Lüftung Partikel nach außen bläst oder das Fenster geöffnet war.

Mythos: Starker Regen wäscht jede Spur sofort weg.

Wahrheit: Im Gegenteil! Ein leichter bis mittlerer Regen drückt die schwebenden Geruchspartikel zu Boden und hält sie dort feucht, was für die Hundenase hervorragende Bedingungen schafft. Lediglich extremer Starkregen (Sturzfluten), der den Boden physisch wegspült, zerstört die Spur komplett.

Mythos: Mantrailer riechen die "Angst" der gesuchten Person.

Wahrheit: Ein weit verbreitetes Missverständnis. Zwar können Hunde Stresshormone wie Adrenalin im Schweiß wahrnehmen, aber beim professionellen Mantrailing ist das für die Spurensuche irrelevant. Der Hund sucht vielmehr nach der einzigartigen chemischen "Visitenkarte" des Menschen: Einem Mix aus abgestorbenen Hautzellen (sogenannten Rafts, von denen wir Tausende pro Minute verlieren) und den Bakterien, die diese zersetzen. Dem Hund ist es völlig egal, ob die Person in Panik flieht oder ganz entspannt spazieren geht – solange die Person Hautzellen verliert, ist die Spur für den Hund wie ein leuchtender Faden lesbar.


8. Das kleine Mantrailing-Glossar

Scent Article (Geruchsartikel) Ein Gegenstand, der den Individualgeruch der gesuchten Person trägt (z.B. T-Shirt, Autoschlüssel). Er dient dem Hund als Referenzgeruch.
Negative Indikation Das eindeutige körpersprachliche Anzeigen des Hundes, dass die Spur hier endet oder gar nicht erst vorhanden ist (z.B. Kopf hochnehmen, abwenden).
Flanking (Flankieren) Das systematische Absuchen der Ränder eines Weges, wenn die Spur durch Wind in die Vegetation an der Seite gedrückt wurde.
Casting Der Hund sucht selbstständig in kreisenden Bewegungen nach dem Wiederfinden der Spur, wenn er sie kurzzeitig verloren hat.

9. Die Einsteiger-Packliste

Mantrailing ist ein wunderbar puristisches Hobby. Man braucht nicht viel Ausrüstung, aber das Wenige muss perfekt auf den Hund abgestimmt sein. Für die ersten Trainings benötigst du:

  • Ein gutsitzendes Brustgeschirr: Es darf auf keinen Fall die Schultergelenke blockieren (am besten ein Y-Geschirr) und wird nur zum Suchen angelegt (als klares Arbeits-Signal).
  • Eine Schleppleine: ca. 5 bis 7 Meter lang. Keine gefährliche Handschlaufe!
  • Der "Jackpot": Die ultimative, heißgeliebte Belohnung für deinen Hund (oft besonderes Nassfutter in der Tube oder das absolute Lieblingsspielzeug), die es sonst nie gibt.
  • Warnweste: Für dich zur Sicherheit im Straßenverkehr.
  • Geruchsartikel & Tüten: Ein sauberes Schraubglas oder sterile Ziploc-Tüten für den Scent Article.
  • Ausreichend Wasser: Nasenarbeit ist für den Hund so anstrengend wie ein Marathonlauf für den Menschen.

10. Häufige Fragen (FAQ)

Wie alt darf eine Spur sein?

Das hängt von der Witterung, dem Untergrund und dem Hund ab. Im städtischen Bereich (Asphalt, Sonne) wird es nach 24-48 Stunden schwer. In ländlichen Gebieten haben gut trainierte Hunde schon Spuren nach über einer Woche verfolgt.

Kann mein Hund Mantrailing auch lernen?

Ja! Mantrailing ist eine fantastische, artgerechte Auslastung für nahezu jeden Hund. Es eignet sich auch perfekt für unsichere Hunde zum Aufbau von Selbstbewusstsein, da der Hund beim Trailen die Führung übernimmt.

Wie lange dauert die Ausbildung?

Für den Hobbybereich kannst du nach wenigen Wochen schon tolle, kurze Trails laufen. Um einen Mantrailer jedoch einsatzfähig für den Rettungshundeeinsatz zu machen, vergehen in der Regel 2 bis 3 Jahre intensiven Trainings.


11. Wissenschaftliche & Fachliche Quellen

Die folgenden Fachbücher und Publikationen dienen als fundierte Grundlage für Methodik und wissenschaftliche Einordnung des Mantrailings:

  • Peters, Dr. Dieter & Atamaniuk, Paul: "Mantrailing - Wissenschaft und Praxis". Beleuchtet detailliert die biologischen und physikalischen Hintergründe des Geruchssinns und der Geruchsausbreitung (Strömungsmechanik).
  • Jezierski, T. et al. (2014): "Canine olfaction: physiology, behavior, and possibilities for practical applications". Wissenschaftliche Studienarbeit zur erstaunlichen Diskriminierungsfähigkeit von Hunden bei der Identifikation chemischer Profile.
  • Syrotuck, William G.: "Scent and the Scenting Dog". Ein absoluter internationaler Klassiker. Erklärt auf hochwissenschaftliche Weise die biologischen und physikalischen Grundlagen, wie Geruch entsteht und wie Umweltfaktoren ihn beeinflussen.
  • Gerritsen, Resi & Haak, Ruud: "K9 Scent Training". Ein umfassendes Handbuch über alle Arten der Nasenarbeit des Hundes, das in der internationalen Kynologie häufig zitiert wird.
  • Stephanitz, Max von (1921): "Der deutsche Schäferhund in Wort und Bild". Ein bisschen älter, aber hochinteressant! Die absolute historische "Bibel" des Deutschen Schäferhundes mit spannenden Einblicken in die allerersten Polizeihunde und Nasenarbeiten in Deutschland. Als kostenloses PDF verlinkt.

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